26.03.2026
Lesedauer: 3 Min
Thema: Wissen, Techniken
Hanaus Quint-Formel

Blogbeitrag von Sabine von Sinner, SSOP Teacher

Bei vollständig herausnehmbaren Prothesen hängen die Stabilität und die ordnungsgemässe Funktion von Zahnersatz von einer beidseitig ausgeglichenen Okklusion ab, d. h. von gleichzeitigen und harmonischen Kontakten auf beiden Seiten bei protrusiven und lateralen Unterkieferbewegungen. Um die Faktoren zu verstehen, die dieses Gleichgewicht beeinflussen, beschrieb Rudolph Hanau ein grundlegendes Konzept, das als Hanaus Quint bekannt ist. Dieses Konzept vereint die fünf Faktoren, die das Okklusionsgleichgewicht bestimmen und die bei der Anordnung der Prothesenzähne harmonisiert werden müssen.

Der erste Faktor ist die Kondylenführung, die die Neigung des Kondylenwegs innerhalb des Kiefergelenks darstellt. Sie ist eine anatomische Eigenschaft, die für jeden Patienten spezifisch ist und vom Behandler nicht verändert werden kann.

Der zweite Faktor ist die Inzisallenkung, die durch die vertikale Überdeckung und den horizontalen Überbiss der Frontzähne bestimmt wird. Im Gegensatz zur Kondylenführung ist sie einstellbar und sollte bei Vollprothesen so gering wie möglich gehalten werden, um destabilisierende Kräfte zu reduzieren.

Der dritte Faktor ist die Okklusionsebene, die sich auf die Ausrichtung der Okklusionsflächen in Bezug auf anatomische und ästhetische Referenzpunkte bezieht.

Der vierte Faktor ist die Höckerneigung, die von der Art der ausgewählten Prothesenzähne abhängt (anatomisch, semi-anatomisch oder nicht-anatomisch).

Der fünfte Faktor ist die Ausgleichskurve, eine kombinierte anterior-posteriore und mediolaterale Krümmung, die in der hinteren Zahnanordnung festgelegt ist, um die Zahnkontakte während der Unterkieferbewegungen aufrechtzuerhalten. Die Beziehung zwischen diesen Faktoren wird durch die Quint-Formel von Hanau ausgedrückt: Das okklusale Gleichgewicht ist proportional zum Produkt aus Kondylenführung und Inzisalführung, geteilt durch das Produkt aus Okklusalebene, Höckerneigung und Kompensationskurve.

Diese Beziehung bedeutet, dass diese Faktoren voneinander abhängig sind: Wenn ein Faktor zunimmt, müssen die anderen angepasst werden, um das okklusale Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. In der klinischen Praxis wird die Kondylenführung durch die Anatomie des Patienten bestimmt, sodass der Kliniker hauptsächlich die veränderbaren Faktoren kontrolliert, indem er die Inzisalführung reduziert, eine geeignete Zahnmorphologie auswählt, die Okklusionsebene richtig ausrichtet und eine angemessene Kompensationskurve festlegt. Somit dient Hanaus Quint als wichtige klinische Richtlinie für die Erzielung einer funktionellen, stabilen und komfortablen Okklusion bei vollständig herausnehmbaren Prothesen.

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